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Kneippen im Kindergarten – Ein Interview mit allen Beteiligten

 

Nicole Niebauer, Gruppenleitung der gelben Gruppe in der Kindertagesstätte St. Bernhard in Koblenz-Wallersheim, führte die Kinder in die „Welt des Kneippens“ ein. Das Projekt zog sich über mehrere Wochen und brachte den Kindern drei Säulen von Kneipp näher. Sie lernten die Säulen Ernährung, Wasser und Lebensordnung kennen. Spannenderweise nahmen auch Erzieherinnen an verschiedenen Angeboten als Teilnehmer teil.

 
Ein Interview von Ramona Franze mit Nicole Niebauer (KneippGesundheitserzieherin SKA), Simone Pörschmann (eine teilnehmende Erzieherin) und Kindern, die über ihre Erfahrungen mit Kneipp erzählen.

 

Frau Niebauer, wie fing das Projekt „Wir kneippen“ an?


N: Zuerst hatte ich mit den Kindern das Thema Ernährung aufgegriffen. Auf dem Hof unserer Kita legten wir einen Gemüsegarten an, die bereits vorhandenen Hochbeete wurden mit Kräutern bestückt. Die Kinder säten selbst die Samen ein und konnten das Beet über die Wochen täglich beobachten. Außerdem überlegten die Kinder selbstständig, welche Lebensmittel gesund sind und welche nicht.

Wie haben sie das gemacht?


N: Ich stellte den Kindern Prospektmaterial von Lebensmittelläden zur Verfügung. Sie blätterten diese durch und unterhielten sich darüber, was aus ihrer Sicht gesund oder ungesund ist. Sie schnitten die Lebensmittel aus und ordneten sie dann einem lachenden und einem weinenden Gesicht auf einem Plakat zu. Dieses Plakat wurde in unserer Gruppe aufgehängt (Foto oben). Bei unserem gemeinsamen gesunden Frühstück griffen wir das Thema Ernährung auch auf.

Was folgte dann?

N: Ein Beet anzulegen ist eine Sache über Wochen. Es dauert lange, bis die Kinder tatsächlich sehen können, dass sich etwas tut. Deshalb säten die Kinder mit meiner Gruppenkollegin Petra Schütz Sonnenblumenkerne in kleine Joghurtbecher. Diese konnten sie dann bei uns auf Fensterbank beim Treiben beobachten und die Pflanze dann mit nach Hause nehmen.

 

Sie sagten, dass die Kinder drei Säulen kennengelernt haben. Welcher Bereich kam als nächstes?

  N: Wir sind dann auf die Säule Lebensordnung eingegangen und haben dies auf die Sinneswahrnehmung bezogen. Ein Bereich, der für Kinder enorm wichtig ist. Wir machten Fantasiereisen, die die Kinder sehr genossen. Es nahmen sogar zwei Erzieherinnen teil. Die Kinder waren zunächst verwundert, erklärten dann aber den Erwachsenen genau, wie man sich auf eine Fantasiereise vorbereitet und was sie erwartet: Hinlegen, Zudecken, Zuhören, Augen schließen und zur Ruhe kommen. Ach ja, und natürlich, still sein, man darf nicht dazwischen  reden. Frau Pörschmann, sie haben an einer Fantasiereise teilgenommen. Wie fanden sie das? P: Ich fand es sehr entspannend und habe diese kurze Auszeit sehr genossen. Ich konnte neue Energie für den restlichen Tag tanken.

 

Was sind, Ihrer Meinung nach, die Anforderungen an die Kinder bei einer solchen Fantasiereise?

 

P: Das zur Ruhe kommen. Kinder haben einen stressigen Alltag und stehen oft unter Druck. Dann loszulassen, die Ruhe auszuhalten und zu entspannen muss erstmal gelernt werden.

Frau Niebauer, sie sprachen von Sinneswahrnehmung. Welche Sinne erlebten die Kinder?

 

N: Den Tastsinn schulten wir durch das Erstellen eines kleinen Fühlparcours. Dazu füllte ich Schuhkartons mit verschiedenen Materialien (z.B. Watte, Eicheln, Nudeln, Reis, Holzperlen u.a.). Die Kinder wussten nicht, was in den Kartons ist. Sie griffen dann durch eine Öffnung blind hinein und konnten den Inhalt erfühlen. Ihren Geschmackssinn konnten die Kinder dann dadurch erleben, dass sie mit verbundenen Augen Obst und Rohkost erschmecken sollten.

 

Das stelle ich mir für manche Kinder schwierig vor. Sich die Augen verbinden zu lassen und dann auch noch Unbekanntes zu essen….


N: Ja, das stimmt. Das hat mich auch sehr beeindruckt. Es fiel vielen Kindern schwer, sich darauf einzulassen und sich etwas in den Mund zu stecken, von dem sie nicht wussten, was es ist. Doch am Ende waren alle mutig und haben sich getraut. Und dann wollten sie es immer wieder machen.

 

Haben sie auch das Gehör neu entdecken können?

 

N: Dazu hörten wir uns die verschiedensten Geräusche von Gegenständen an, die diese so im Alltag machen, z.B. ein Tacker, Lego Duplo, eine Tasse auf eine Untertasse stellen. Dabei zeigte sich, wie schwierig es oft ist, diese Geräusche zu unterscheiden, da sie sehr ähnlich klingen können.

 

Was ist mit der Säule Wasser?

 

N: Natürlich wurde diese Säule auch eingebunden, aufgrund des zum Teil sehr schlechten Wetters leider etwas zu wenig. Das Wassertreten mit den Kindern hat mir riesigen Spaß gemacht. Kinder aller  Altersgruppen „kneippten“ durch die Kisten, die ich im Hof aufgestellt hatte. Es war so schön anzusehen, wie ganz klein und groß gemeinsam durchs Wasser stapften.

 

Das hört sich nach einer Menge Spaß an.

 

N: Oh ja. Das war es auch. Als die Kolleginnen dann auch durch die Kisten stapften und die Kinder ihnen wieder erklärten, wie das denn so funktioniert, war das Gelächter groß. Einige Eltern, die ihre Kinder beim Wassertreten sahen, machten kurz entschlossen selbst mit und mussten sich ebenfalls „Mama, du musst mit beiden Füßen in die Kiste!“ von ihren Kindern anhören.


Gibt es etwas, dass sie überrascht hat?

 

N: Ja, dass alle Kinder sich auf die Fantasiereisen einlassen konnten. Das ist nämlich, wie Frau Pörschmann schon gesagt hat, für viele wirklich schwer, sich fallen zu lassen und dann auch einfach die Augen zu schließen. Das erfordert eine Menge Mut und Vertrauen.


ie haben sie das Projekt abgeschlossen?


N: Während des gesamten Projekts haben die Kinder an einem „Kneipp-Pass“ gearbeitet. In diesem ist ein Foto des Besitzers eingeklebt. Zu jeder Säule, die die Kinder kennengelernt haben, gestalteten sie eine einzelne Seite. Am Ende des Passes ist ein Gruppenfoto das zeigt, dass das Kind nun ein Kneippianer ist.  Außerdem hat jedes Kind zum Abschluss einen Wassertropfen als Orden gebastelt. Um das Projekt mit den Kindern noch einmal im Ganzen zu reflektieren malte jedes Kind ein Bild von der Aktion, die ihm am meisten Spaß gemacht hat. Dabei kamen ganz viele schöne und vor allem sehr unterschiedliche Bilder heraus.

 

Was ist ihr Fazit aus dem Projekt?

 

N: Es hat wirklich wahnsinnig Spaß gemacht. Ich wurde bestätigt, dass Kneipp einfach Spaß macht und für Kinder genau das richtige ist. Die 5 Säulen ermöglichen ein ganzheitliches Erleben im Punkto Gesundheitsfürsorge. Das Frühstück werden wir in unserer Gruppe auf jeden Fall erhalten. Ich freue mich jetzt schon auf das nächste Mal. 


Und das sagen die Kinder zum Projekt „Wir kneippen“ (Original Wortlaut)
Was hat euch am besten gefallen?

 

V, 6 Jahre:

Ich fand das Wassertreten so toll, wegen das so toll kalt war.

A, 6 Jahre:

Wegen das Wassertreten so kühl war und man sich so toll erfrischen konnte.

M., 4 Jahre:

Das Basteln. Wir haben Wassertropfen gebastelt. Das fand ich am Schönsten. Da haben wir auf der Linie ausgeschnitten.

 Gibt es noch etwas, das du erzählen möchtest?

M: Ja. Das Wassertreten war schön. Schön war, dass wir mit den Füßen darein gegangen sind.  Habt ihr noch etwas anderes gemacht?

M: Da sind wir auf Fantasiereisen gegangen. Das war im Regenbogenland. (Anm.: Bei der Fantasiereise reiste man in das Regenbogenland zu einem Wasserfall) Wir haben auch gefühlt und nix gesehen. Das war einfach.

Fällt dir noch etwas ein?

M: Mir fällt noch ein, als wir ein riesen Blatt gemalt und geklebt haben. Sonst fällt mir nichts mehr ein.    


Auch ich hatte das Vergnügen, an einigen Angeboten teilzunehmen. Die Fantasiereise war eine kleine Auszeit aus dem Alltag, das Wassertreten hat an den heißen Tagen erfrischt und die Leckereien, die es beim gesunden Frühstück in der Gruppe gab, zogen mich immer magisch an. Das, was mich allerdings am meisten beeindruckt hat, war die Begeisterung, die die Kinder zeigten. Kinder, die zunächst skeptisch auf Neues reagierten, trauten sich neue Dinge zu und eroberten neue Lebenswelten. Geschmäcker wurden entdeckt und Geräusche gefiltert. Auch ich als Erwachsene habe wieder gemerkt, wie viel Vertrauen die Kinder in uns stecken und wie wichtig es ist, den Kindern Selbstvertrauen und Mut vorzuleben, sowohl zum „Ja“ als auch zum „Nein“ sagen, denn es ist z.B. nun mal ein merkwürdiges Gefühl, mit verbundenen Augen etwas zu essen und zu erraten, was es ist.  Alles in allem war es ein rundum gelungenes Projekt, von dem die Kinder sicher noch lange profitieren werden!
 
 

 

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